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Lebensbericht
Pastor
Johann W. Georg Gottfried Wermelskirch 1803 - 1872

Johann Georg Wermelskirch wurde vor 200 Jahren, am 22. Februar 1803, in Bremen geboren. Von Haus aus war er in der reformierten Tradition groß geworden. Als Zeitgenossen der neuen "erweckten" Frömmigkeit zog es ihn zur Mission. Er ließ sich an der Missionsschule in Berlin ausbilden und arbeitete anschließend als Judenmissionar, zunächst in Warschau, seit 1826 in Posen. Freilich sammelten sich in seiner Kirche mehr erweckte Christinnen und Christen als Juden, die die Taufe begehrten.
In der ersten Hälfte der dreißiger Jahre gelangte Wermelskirch mehr und mehr zu lutherischen Auffassungen; entscheidend war dabei die Begegnung mit Friedrich Lasius in Prittisch im Sommer 1834. Lasius war schon zuvor zu einer bewusst lutherischen Haltung gekommen. So kam es am 6. Dezember 1834 zur Bildung einer selbständigen lutherischen Gemeinde in Posen, die auf seine Predigten und Erbauungsstunden zurückging, die Wermelskirch auch nach seinem Eintritt in die Evangelisch-lutherische Kirche in Preußen fortsetzte. Von der jungen Gemeinde zum Pastor berufen, gab er seine Tätigkeit als Judenmissionar bald auf. Durch intensive Reisetätigkeit, die ihm von seiner Arbeit als Judenmissionar her vertraut war, trug er zur Gründung einer Reihe weiterer selbständiger lutherischer Gemeinden in der Provinz Posen bei. Auch nahm er an einer Konferenz auf dem Gut von Adolf von Thadden in Trieglaff teil, von der erste Impulse zur Sammlung lutherischer Gemeinden in Pommern
ausgingen. Auch war er frühzeitig an den Bemühungen um eine kirchliche Reorganisation der preußischen Lutheraner beteiligt, wie sie in den ersten Not"Synoden" des Jahres 1835 Gestalt gewannen. Wermelskirch selbst wurde 1835 wegen seiner kirchlichen Stellung als "Ausländer" (als gebürtiger Bremer besaß er nicht die preußische Staatsangehörigkeit) aus Preußen ausgewiesen.
Hatte Wermelskirch sich einige Jahre um die Sammlung der lutherischen Gemeinden mühen können, kümmerte er sich in seinem Dresdner Exil um die Sendungsaufgabe der Kirche. Bei der Umgestaltung des Dresdner Missionsvereins in eine bewusst lutherische, kirchlich orientierte Einrichtung war Wermelskirch federführend, zusammen mit Johann Gottfried Scheibel, dem ebenfalls ins sächsische Exil getriebenen Vater der wiedererwachten Evangelisch-lutherischen Kirche in Preußen. Aus dem Dresdner Missionsverein, dessen erster Direktor Wermelskirch war, ging später die Leipziger Mission hervor. Es ist nicht zuletzt Wermelskirchs Verdienst, dass sie das Arbeitsfeld der Dänisch-Halleschen Mission in Tranquebar, Südindien, übernehmen konnte. Von der Evangelisch-lutherischen Kirche in Preußen wurde sie als ihre kirchliche Missionsanstalt anerkannt.
Nachdem Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts für die Evangelisch-lutherische Kirche in Preußen die Zeit der Duldung durch den Staat gekommen war, konnte Wermelskirch allerdings nicht nach Posen zurückkehren. Während des erzwungenen Aufenthalts in Berlin war er an einer Reihe von Verhandlungen beteiligt, die die Fragen der staatlichen Anerkennung seiner Kirche betrafen. Schließlich folgte er 1844 einer Berufung an die Gemeinde Erfurt.
Von Erfurt aus betreute er unermüdlich die Lutheraner in der näheren und weiteren Diaspora: Heldrungen, Sangerhausen, Quedlinburg, Halberstadt, Wernigerode, Magdeburg, Naumburg/S., Mühlhausen, Heiligenstadt, Nordhausen, Halle/S., Eisleben, ja bis in die Rheinprovinz, wie Köln, Schwenningdorf, oder Radevormwald, das er 1852 mit seinem Pastor Karl Haver in die Evangelisch-lutherische Kirche in Preußen aufnahm. Einige dieser Predigtorte wurden später selbständige Gemeinden und bestehen heute noch als Gemeinden unserer Selbständigen Evangelisch-lutherischen Kirche (SELK). In der benachbarten thüringischen Landeskirche rief Wermelskirch abermals einen Missionsverein ins leben, der wiederum zum Sammlungsbecken bewusst lutherischer Pastoren wurde.
Als Wermelskirch am 20. Dezember 1872 starb, konnte ihm zu Recht nachgerühmt werden, er gehöre "zu den wenigen, die in schwerer Zeit sich nicht mit Fleisch und Blut besprochen, sondern alles, was dem Fleische lieb und wert ist hinten angesetzt und geopfert haben, um nur die lutherische Kirche zu erretten und zu erhalten".
 
W. Klän

Lebensdaten im einzelnen :

Wermelskirch, Johann Georg Gottfried;
* 22.02.1803 Bremen, St. Remberti;
† 20-12-1872 Erfurt ( KBlatt 1873, 17.75.82;Lehmann 3 ).

∞ vor 1831 Anna Lowis; * 21.10.1797 † 23,10.1882 ( KBIatt 1882,352).
Eltern:
Krämer Johann Gottfried Wermelskirch in Bremen und Christine Margarethe geb. Steffens NN (KBIatt 1873,75).
Kinder:
Lowis Ninian, im August 1853 bereits Eleve bei v. Zahn, * 08-06-1829, † 29-12-1904 Guben,
       oo 00-00-1859 Marie geb. v.Koszutska, * 09-07-1841 Groß-Tschunkawe, † 27-03-1923 Guben (KBIatt 1905,30; KB Guben;KB Jabel\ KA ERF15).
Louise Isabelle, * 05-09/10-1831, konf. 30-04-1846 Erfurt, oo Dr. Rudolph Voltolini, s.d. (KB Erfurt).
       Tochter, «o« 00-00-1835, † auf dem Friedhof der griechisch-katholischen Gemeinde, weil anderswo Schwierigkeiten
       gemacht werden (KBIatt 1873,78).
Johann Georg Gottfried,
      
* 20-03-1834 [err.], konf. 21-04-1848 Erfurt, 14J 1M 1T (KB Erfurt).
Hans, * ca 1837, 1903 Hauptmann in Frankfurt, 66 Jahre alt (KBIatt 1903,155).
derselbe?:
Johann Daniel Siegfried,
        Oekonom in Erfurt, * 03-04-1837 [err.], konf. 04-04-1852 Erfurt, 15J 1T,
        oo 14-07-1858 Köln Elisabeth Christine Louise Huyssen, * 10-03-1824 (KB Erfurt).
Anton Eduard Detlev, * 04-03-1839 [err.], konf. 09-04-1854 Erfurt, 15J 1M 5T [KB Erfurt).
 

von Haus aus reformiert, erhält er zuerst durch Jänicke/Berlin eine lutherische Richtung (KBIatt 1873,76).im Dienst der englischen Judenmission Judenmissionar in Warschau; 00.00.1826 als Judenmissionar in Stadt und Provinz Posen (KBIatt 1873,75). wird vom Posener Oberpräsidenten v.Flottwell nach Prittisch geschickt, um zwischen dem suspendierten
Lasius, s.d., und der Gemeinde wieder für Frieden und Ruhe zu sorgen, bleibt dort wegen eines Fußübels 14 Tage, wird jedoch überzeugt, daß Lasius im Recht ist (KBIatt 1873,76).
00.00.1834 Sommer: hat viele Besucher seiner Predigten aus Prittisch, als Lasius im Posener Gefängnis sitzt; reist nach Halle, um sich mit Prof Guericke zu besprechen und nach Breslau zu Prof Huschke, der ihn vom Recht der Lutheraner überzeugt;
06.12.1834 Samstag n.1.Advent: wird nach einem Gottesdienst für Juden von Barschall, s.d., und andern aufgefordert, die Union zu verlassen; wird von der wiederentstandenen kleinen lutherischen Gemeinde Posen zum Pastor berufen, muß dafür aber seine Stellung als Judenmissionar bald aufgeben (KBIatt 1873,77).
17.12.1834 Mittwoch n.3. Advent: hält einen Abendmahlsgottesdienst beim Gutsbesitzer Christian Zahn auf Turowo bei Prittisch (Errettung 78f). hält lutherische Gottesdienste in seiner Wohnung, vor einer alle vier Stuben füllenden Gemeinde (KBIatt 1873,77). wird zu 50 Thlr. Geldstrafe verurteilt, die aber von der Gemeinde bezahlt werden (KBIatt 1873,78).
19.02.1835 Donnerstag n. Septuagesimae: leitet in Breslau die GS „rechtes Oderufer" (KBIatt 1873,78; Errettung 86).durch seine Wirksamkeit, zusammen mit Lasius, entstehen auch in der Provinz Posen verschiedene kleine lutherische Gemeinden;
00.00.1835 zusammen mit Lasius auf der von v. Thadden nach Trieglaff eingeladenen Pastoral-Konferenz (KBIatt 1873,78). wird als Ausländer [in Bremen gebürtig!] des Landes verwiesen;
06.12.1835 2. Advent : letzte Predigt in Posen in der Wohnung von Frau Becker; bedient auf der Reise einige schlesische Gemeinden und geht nach Dresden;
29.12.1835 Dienstag: aus Posen ausgewiesen, kommt er auf seiner Reise nach Dresden durch Liegnitz, erhält jedoch keine Erlaubnis, den im Gefängnis sitzenden P Otto Wehrhan zu besuchen (Wehrhan 166ff).
00.00.1836 Frühjahr: seine Familie kommt von Posen auch nach Dresden; löst den in Dresden bestehenden Missionsverein von der Basler Mission und veranlaßt ihn zu selbständiger Missionsarbeit im Sinne der luth. Kirche, gründet ein Missionshaus unter seiner Leitung; unterrichtet die ersten Missionszöglinge, die nach Australien gesandt wurden, welches Arbeitsfeld sich aber als nicht geeignet herausstellt; reist deshalb nach Kopenhagen und erhält vom dänischen König [ Friedrich VI., *1768, regiert 13-03-1808 - 03-12-1839, oder Christian VIII., * 1786, regiert 03-12-1839 - 20-01-1848] die Erlaubnis, die lutherische Mission im damals noch dänischen Trankebar wieder aufzunehmen (KBlatt 1873, 79).
00.00.1840 wird mit Heinrich Cordes der erste Missionar dahin entsandt (ALM).
00.00.1842 kehrt nach Preußen zurück und bleibt, da ihm Posen und auch Danzig durch die Behörden verschlossen bleiben, für die nächsten zwei Jahre in Berlin ( KBlatt 1873,79f; Errettung 178 ).
28.04.1844 Jubilate : hält seine Antrittspredigt in Erfurt ( KBlatt 1851,235 ). Nachfolger für † P Eduard Gaudian, s.d.
00.00.1844 hat die Parochie Erfurt die Predigtorte Erfurt, Heldrungen, Sangerhausen, Quedlinburg, Halberstadt, Wernigerode, Magdeburg, Naumburg/Saale, Mühlhausen, Heiligenstadt, Nordhausen, Eisleben, Halle/Saale, dazu einzelne Glieder in der Rheinprovinz; Magdeburg, Sangerhausen und Wernigerode werden selbständige
Parochien; durch seinen Dienst entstehen als neue Parochien Köln und Rödinghausen ( KBlatt 1873,80 ).
00.00.1844 nimmt eine Frau aus Essen in die lutherische Kirche auf ( KBlatt 1851,106 ).
23.08.1844 Freitag n. 11.p.Trin. bis
27.01.1848 Donnerstag n.3.p.Epiph. tauft in Halberstadt lt KB Wernigerode.
11.11.1844 Montag n.23.p.Trin.: nimmt Lutheraner in Saarbrücken in die luth. Kirche in Preußen auf (KBlatt 1853,70).
11.11.1844 am gleichen Tage 4 Aufnahmen in Sandhof bei Saarbrücken, darunter Friedrich Lochner (KBlatt 1958,159).
09.11.1845 nimmt 5 Gemeindeglieder in Walpershofen in die luth. Kirche auf;
00.11.1846 2. Besuch in Walpershofen ( KBlatt 1849,83 ).
16.11.1846 Montag n.23.p.Trin.: nimmt in Walpershofen weitere Gemeindeglieder in die luth. Kirche auf ( KBlatt 1958,159 ).
00.00.1852 nimmt P Haver und seine Radevormwalder Gemeinde in die luth. Kirche auf ( KBlatt 1873,80 ).
18.07.1852 6.p.Trin.: nimmt im Kirchspiel Rödinghausen-Schwenningdorf 91 Seelen in die luth. Kirche auf;
00.00.1853 die Gemeinde Schwenningdorf wird vom OKC anerkannt und erhält die staatlichen Korporationsrechte (KBlatt 1854,63).
31.10.1854 Dienstag n.20.p.Trin.: weiht die Kirche in Schwenningdorf ( KBlatt 1854,300 ).
20.12.1872 Freitag n.3.Advent: tf an Schlagfluß (KB Erfurt).
23.12.1872 Montag n.4.Advent: † in Erfurt durch P Bonsack aus dem Gothaischen auf dem städtischen Friedhof, mit Missionssenior Cordes ( KBlatt 1873,82;1903,153 ).

Quellen: P.em. Dankwart Kliche, Dortmund

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